Donnerstag, 6. Dezember 2012

Gotof je!




Gestern Abend war es soweit. Der noch amtierende Stadtpräsident Franc Kangler  ist wegen den anhaltenden und heftigen Strassenproteste in den vergangenen Wochen zurück getreten. Sollte er nun per Ende Dezember mit seiner gesamten Entourage das Gemeindehaus räumen, so wäre eine zentrale Forderung der Demonstranten erfüllt. Doch dabei wird es nun wohl nicht bleiben. Denn Franc Kangler ist im Sumpf der Korruption, welcher hier in Slowenien grösser ist als man gemeinhin annimmt, wahrscheinlich noch ein kleiner Fisch. Auf jeden Fall war er nicht intelligent genug seine Machenschaften soweit von der Öffentlichkeit fernzuhalten, dass man ihn nicht derart leicht hätte überführen können. Die Proteste haben sich mittlerweile auf das ganze Land ausgeweitet. Die Forderung ist dieselbe in Maribor, wie in Ljubljana oder in Celje: Weg mit der korrupten Elite. "Gotof si!" - "Sie sind alle fertig!"
Die Proteste in den letzten Wochen haben stets nach dem gleichen Muster begonnen. Zuerst versammelten sich Tausende von Menschen auf dem Freiheitsplatz im Zentrum von Maribor um friedlich aber lautstark ihre Forderung heraus zu schreien: "Gotof je!" - "Er ist fertig!". Letzten Montag versammelten sich nicht weniger als 20'000 Menschen auf dem Platz, für eine Stadt wie Maribor eine unglaubliche Zahl. Die Demonstranten wurden von den Organisatoren gebeten, sich nicht dem Gemeindehaus zu nähern. Nach rund einer Stunde war die Menge aber nicht mehr aufzuhalten und bald einmal standen Tausende Menschen direkt vor dem Gemeindehaus, welches notdürftig von zahlreichen Polizisten in Vollmontur bewacht wurde. Bald flogen die ersten Steine, Flaschen und Farbsäcke. Nach mehreren zerschlagenen Scheiben begann die Polizei die Menge mit Tränengas vom Gemeindehaus weg zu treiben. Die Folge war eine mehrere Stunden andauernde Strassenschlacht mit der Polizei, in deren Folge es zu zahlreichen Festnahmen kam. 
Am 15. Dezember geht hier in Maribor offiziell das Jahr der europäischen Kulturhauptstadt zu Ende. Für den 14. Dezember sind erneute Proteste angesagt und am 21. Dezember gibt es den landesweiten "Bürgeraufstand". Slowenien stehen revolutionäre Zeiten bevor und manch ein Politiker mag sich wohl fragen, ob das Jahr der europäischen Kulturhauptstadt vielleicht auch sein letztes Amtsjahr gewesen sein wird. 
Mag Maribor im Verlauf dieses Jahres nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die es sich durch den erwähnten Titel erhofft hat, so sprechen nun zumindest bereits die österreichischen Nachbarn intensiv über ihr südliches Nachbarland. Die Zeitungen berichten noch verhalten von den Protesten und Leserbriefschreiber in der "Kleinen Zeitung" fragen sich ob das an der empfindlichen Nähe zur steirischen Landeshauptstadt Graz liegen mag. Die 70 Kilometer scheinen wenig zu sein in Anbetracht der Korruptionsskandale, die auch in der österreichischen Politik für Schlagzeilen sorgen.
Hier in Maribor sind die Demonstrationen im Moment das einzige Thema. Bereits wurden Bürgerinitiativen gegründet für das Neue Maribor. In Räumlichkeiten, die im Moment noch von Kulturhauptstadt Geldern finanziert werden. 
Es ist sehr schwierig zu sagen, wie es nun mit den Protesten weiter gehen wird. Sicher ist aber, dass Maribor sich in diesem Jahr verändert hat und dass die Veränderungen die Europäische Kulturhauptstadt 2012 auch im nächsten Jahr beeinflussen werden. Die Kulturhauptstadt; ein nachhaltiges Projekt!

Keine Kommentare:

Kommentar posten