Freitag, 19. Februar 2010

Bosnischer Kaffee in Maribor


Beim Schreiben dieser Zeilen sitze ich in einem orientalischen Kaffee in der Altstadt von Maribor. Vor mir steht dasselbe bosnische Kaffeegeschirr, die kupferne Đezva und das süsse Ratluk, ein Gebäck welches traditionellerweise jedem Kaffee beigelegt wird. Bosnische Musik, diese melancholisch verspielten Melodien, tönen aus dem Lautsprecher. Auf dem Tisch die Getränkekarte; hier wird Sarajevsko Pivo ausgeschenkt. Zum Rauchen geht man raus auf die Terrasse, auf welcher Wolldecken über die Plastikstühle gelegt wurden, zum Schutz gegen die Kälte.

Eine ungewisse Wehmut begleitet mich seit der Abreise aus Sarajevo. Ich merke, wie ich mich an das Leben in Bosnien gewöhnt habe. An mein Leben in Bosnien, welches natürlich in riesigen Gegensätzen zu demjenigen vieler meiner Freunde dort steht. Hier in Slovenien tauche ich erneut in eine andere Welt ein, eine Welt die mir eigentlich näher steht. Aber doch mag sie mich nun zu befremden (dabei ist Slovenien noch nicht die Schweiz). Bosnien liegt eigentlich nicht weit von Slovenien entfernt und doch trennen sich Welten zwischen diesen beiden Ländern.

Ich erinnere mich, mit welch grossen Augen Nataša und ich Mitte März in Mostar eingetroffen sind. Auf einmal fanden wir uns nach über fünf Monaten Reise in einer orientalischen Welt wieder. Doch das orientalische an dieser Welt liegt nicht an der Existenz von Moscheen oder türkischen Kaffees. Die Besonderheit liegt im Wesen der Menschen dort, an ihrem Lebensstil, der ihnen vielleicht aus geschichtlichen und heute wirtschaftlichen Gründen augezwungen scheint, den sie aber mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit und Einfachheit praktizieren.

Es mag zu simpel klingen, aber vielleicht ist Bosnien wirklich ein Land, dessen Bewohner bereits zu oft zu viel verloren haben, als dass sie sich heute unsinnig viele Fragen über ihr Leben stülpen wollen.
Man muss aufpassen, dass man nicht einer blöden Nostalgie verfällt, hat man nach längerem Aufenthalt Bosnien verlassen. Aber ich denke, dass man dieses Land vielleicht noch mehr lieben lernt, wenn man es sich bei einem türkischen Kaffee in Slovenien wieder in Gedanken ruft.

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